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Newsletter November 2013

Generationsbrücke zwischen den Ohren

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es ist Anfang November, die Natur geht langsam schlafen, die Tage werden kürzer. Ich mag diese Zeit: Das Jahr vorbei ziehen lassen, Rückschau halten, Resümee ziehen und Früchte einsammeln. Es ist viel passiert. Eine Geschichte hat mich in diesem Jahr besonders beglückt.

Es war im Sommer. Wie so oft habe ich auf dem Marktplatz von Köln-Sürth geparkt. Von dort aus sind es nur 200 m bis zum Rheinufer. Auf dem Weg zum Wasser hat mich ein Junge angesprochen. Er war unterwegs mit einer älteren Hündin. Ob wir die große oder kleine Runde gehen, fragte er mich. Da ich weder die große noch die kleine Runde kannte, antwortete ich: Wir gehen am Wasser entlang. Dann gehe ich mit Ihnen, hörte ich ihn sagen.

Er erzählte mir, dass es nicht sein Hund sei. Das er keinen Hund haben darf. Das er deshalb immer Dienstags mit diesem Hund spazieren geht. Er erzählte und erzählte. Es war erfrischend ihm zu zuhören, auch wenn er sehr leise sprach. Ein paar Mal bat ich ihn, ein wenig lauter zu sprechen. Das funktionierte aber nicht wirklich. Bis ich ihm sagte, dass ich nicht gut höre und ein Hörgerät trage. Daraufhin drehte er seinen Kopf zur Seite und zeigte mir sein Hörgerät.

Während die Hunde ein Bad nahmen, plauderten wir über das Hören und natürlich über das Nichthören. Er erzählte, dass seine Lehrer während des Unterrichts ein Gerät um den Hals tragen, das die Stimme direkt über das Hörgerät in sein Ohr überträgt. Ich hörte staunend zu und merkte bereits, dass mich seine Erzählungen sehr berührten. Er fragte mich, wie dass denn bei mir in der Schule gewesen ist. Ich schluckte und erzählte, dass sich um meine Schwerhörigkeit, die ich wahrscheinlich von Geburt an hatte, nicht wirklich jemand gekümmert hat. Mit 12 Jahren wurde zwar eine Hörschwäche bei mir festgestellt - aber nichts wurde unternommen. Er schaute mich entsetzt an und sagte, dann konnten Sie ja gar nicht richtig lernen. Mir schossen die Tränen in die Augen. Seine unschuldigen Worte hatten mich mitten ins Herz getroffen.

Ich habe Jahre gebraucht, um heraus zu finden, warum das mit dem Lernen so schwierig für mich war. Kein Sinnesorgan hat mich in den letzten 40 Jahren so sehr beschäftigt, wie mein Ohr. Kein Sinnesorgan hat mich mehr Leid und mehr Glück erfahren lassen.

Es gab vieles, worin ich in den Jahren Trost gefunden habe. Die Suche nach dem größeren Sinn und die Entdeckung des Talents in meinem Handicap, hielten ungeahnte Möglichkeiten für mich bereit. Kein Sinnesorgan hat mich meine intuitiven Fähigkeiten so sehr trainieren lassen, wie mein Ohr. Ich konnte und durfte, viele Menschen mit meinen Talent erinnern und bewegen. Als vor ein paar Jahren die Technik auf den Markt kam, die dem natürlichen Hören nah kommt, taten sich wieder neue Welten auf. Dank dieser Erfindung und Menschen, wie Christiane Windhausen, die immer wieder liebevoll für mich mithört, darf ich mich heute mehr und mehr körperlich entspannen und erlebe die damit einhergehenden positiven Konsequenzen.

Jetzt sitze ich hier an meinem Schreibtisch. Versuche meine Gefühle in Worte zu fassen und merke, dass das Staunen über diese Begegnung nicht an Kraft verloren hat. Hatte ich doch im Sommer erstmalig das Gefühl, mein Talent und die damit verbundene Geschichte ganz in meinen Händen zu halten. Da kreuzt dieser 11-jährige Junge meinen Weg und schenkt mir den Trost des Mitgefühls, das aus eigener Erfahrung entspringt. Seitdem bin ich im Raum des Schwerhörens nicht mehr allein. Das Mitgefühl hat uns verbunden.

Wenn wir dem Leben offen begegnen und uns ganz und bedingungslos geben, werden aus Wunden Wunder – IRGENDWANN. Bei mir war es an einem herrlichen Sommertag im Juni.

Mit herzlichen Grüßen

Birgit-Rita Reifferscheidt


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